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Projekt

 

Ausgangslage, Ideen

Die Turnhalle ist zusammen mit dem Schulhaus im Jahr 1956 erbaut worden. Als Architekt war J. Oswald, Architekt SIA, Bremgarten, verantwortlich. Im Rahmen einer Renovation der Schulanlage in mehreren Etappen wurde die Turnhalle 1991 saniert. Dabei sind die Einrichtungen auf den damaligen technischen Stand erneuert worden und bestehen bis zum heutigen Zeitpunkt. 2007/2008 erweiterte Paul Sennrich, dipl. Architekt HTL, Sins, das Schulhaus mit einem Anbau. 

Die heutige Turnhalle entspricht nicht den heutigen Anforderungen des Bundesamtes für Sport (BASPO) und den aktuellen Bedürfnissen im Schul- und Vereinsturnen kann nicht mehr entsprochen werden. Insbesondere können auch die Schulpflichtstunden nicht mehr abgedeckt werden. 

Um die Frage des Standorts, der Raumbedürfnisse und der Investition zu klären, liess der Gemeinderat, unter Einbezug der Turnhallen­benutzer, eine Machbarkeitsstudie durch das Büro für Bauökonomie AG, Luzern, ausarbeiten. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile, unter der Prämisse das Spielfeld nicht zu tangieren, favorisiert der Gemeinderat aus betrieblichen, organisatorischen und wirtschaftli­chen Gründen den Neubau der neuen Doppelturnhalle am bestehenden Standort. 

Die Gemeindeversammlung hat den Start zum Vorhaben am 20. November 2009 mit dem Kredit von Fr. 160'000.00 für einen Architek­turwettbewerb gutgeheissen.

 

Projektierung, Aufgabenstellung, Ziele 

Die Präqualifikation mit anschliessendem anonymem Projektwettbewerb sollte Lösungsmöglichkeiten für den Neubau einer Doppelturn­halle sowie Räume für Werken und Gestalten aufzeigen und hatten folgende Ziele zu erfüllen:

• hohe ortsbauliche und architektonische Qualitäten

• hohe Funktionalität, optimale Erschliessung

• hohe innenräumliche Qualitäten

• konstruktiv angemessene Lösungen

• attraktive Aussenraumgestaltung

• Wirtschaftlichkeit (niedrige Investitions- und Unterhaltskosten)

Die neue Doppelturnhalle hat die BASPO-Normen (Typ A) zu erfüllen. Sie ist als Sporthalle auf den Schulsport, das Vereinsturnen (Abend und Wochenende) sowie Sportanlässe ausgerichtet. Die Werkräume werden grundsätzlich für den Schulbetrieb genutzt. Daneben ste­hen die Räume auch für periodische Nutzungen, wie z.B. in der Ferienzeit für das Angebot Ferienpass, zur Verfügung. 

Ein Preisgericht, bestehend aus Sachpreisrichtern, Fachpreisrich­tern und Beratern/ Experten ohne Stimmrecht hat am 27. April 2010 aus insgesamt 54 Bewerbungen 8 Teilnehmer für den Wettbewerb bestimmt. Am 15. und 22. September 2010 hat die Jury die Eingaben geprüft und den Wettbewerbssieger bestimmt. Einstimmig wurde das Projekt "Doppelpass" vom Büro GXM Architekten, Zürich, als Sie­gerprojekt erkoren. Vom 04. - 06. November 2010 wurden die Wettbewerbsprojekte öffentlich ausgestellt. Die Gemeindeversammlung vom 19. November 2010 hat in der Folge dem Planungs­kredit zugestimmt. Im Januar 2011 erfolgte die Arbeitsvergabe an das Büro GXM Architekten, Zürich.

 

Projektbeschrieb 

Die neue Doppelturnhalle ist grundsätzlich als Ersatzbau für die alte Turnhalle konzipiert. Zusammen mit dem existierenden Schulhaus wird ein neues Gebäudepaar gebildet, bestehend aus zwei eigenständigen und miteinander verbundenen Einheiten, die den Pausen­platz neu fassen. Der Schritt von der Einfach- zur Doppelturnhalle führt zu einem bedeutenden Massstabsprung; das hier vorliegende architektonische Konzept gewährt jedoch eine optimale Integration in das Dorfbild. Zusätzlich ermöglicht dieses Bauvorhaben die Er­weiterung der Schule um zwei neue Räume: Zeichensaal und Werkraum mit den je erforderlichen Materialräumen. 

Ortsbauliche Setzung

Die Setzung des Hallenbodens auf Höhe des bestehenden Untergeschosses ermöglicht eine unterirdische Verbindung zwischen Schule und Turnhalle. Diese Schnittlösung, mit unter dem Pausenplatz angeordneten Nebenräumen (Garderoben, Geräteräume, usw), mini­miert den Verlust an Aussenflächen. Infolge der neuen internen Erschliessung ist das Erdgeschoss im Zwischenbereich freigespielt: zwi­schen den beiden Bauten öffnet sich ein neues Aussichtsfenster in die Landschaft. Diese überdeckte Zone bildet den gemeinsamen Eingangsbereich und eine Erweiterung des Pausenplatzes. Die Sportplätze auf der Südwestseite erhalten einen neuen Zugang und ei­nen direkten Bezug zum Vorplatz. Aufgrund der vorhandenen Topografie ergibt sich in der nördlichen Gebäudecke die Möglichkeit eines ebenerdigen Zugangs zur Halle für gehbehinderte Menschen, Anlieferungen und Aussengeräte, womit sich der Einbau eines Aufzugs erübrigt. Nebst diesen räumlich-organisatorischen Vorteilen, weist der Baukörper mit der abgesenkten Halle einen dem Kontext ange­messenen Massstab auf. 

Architektonische Ausformulierung

Das durch die gültigen Normen des Bundesamtes für Sport (BASPO) definierte Volumen der Sporthalle wird durch zwei Akzente verzerrt – eine Spitze nach oben und einen Zacken zur Seite – die den funktionalen und architektonischen Anforderungen entsprechen. Die leichte Neigung des Satteldachs vermittelt präzise zwischen den Höhenverhältnissen der bestehenden Traufe und den erforderlichen Höhen der neuen Räumlichkeiten (Zeichensaal und Turnhalle). Die somit entstehende Giebelfassade stellt einen ruhigen, frontalen Be­zug zur Hauptstrasse her und betont die öffentliche Bedeutung der Anlage, ohne jedoch die dominante Wirkung der Kirche zu beein­trächtigen. Die Dachform ist auch im Inneren als vertikale Erhebung der Deckenuntersicht erlebbar, die räumlich dazu beiträgt, das Ab­senken des Hallenbodens unter dem Niveau des Pausenplatzes zu kompensieren. Die volumetrische Ausbuchtung in die Richtung der Schule bildet die bereits erwähnte Überdachung des Durchganges und nimmt mit möglichst sparsamen Mitteln die ergänzenden Nutzungen auf: Eingangsbereich mit Zuschauergalerie und offenem Ausschank im Erdgeschoss, Zeichensaal im Obergeschoss. Die Lösung von der orthogonalen Geometrie in diesem Bereich mildert die Härte des Hallenbaus und übernimmt die abgedrehte Geometrie der alten Turnhalle. Das Volumen des Zeichensaals ragt in den Hallenraum hinein und bildet den Übergang zwischen aussen und innen, dem eingeschossigen Eingangsbereich und der zweigeschossigen Zuschauergalerie. 

Betriebliche Anforderungen

Die neue Turnhalle ist funktionell in enger Absprache mit den Benutzern auf die Bedürfnisse des Schulsportes sowie der Sportvereine abgestimmt. Die Zuschauergalerie bietet Platz für maximal 150 Personen. Der Werkraum wird im Untergeschoss des Schulhauses an­stelle der bestehenden Umkleideräume eingerichtet, welche im Neubau ersetzt werden. Die Organisation der Anlage ermöglicht den autonomen Betrieb der Turnhalle, da das Untergeschoss der Schule ausserhalb der Öffnungszeiten beim Durchgang vom Alt- zum Neu­bau abgesperrt werden kann. Umgekehrt können auch sämtliche Schulräume unabhängig von der Turnhalle erreicht werden. 

Konstruktion

Die kombinierte Konstruktion aus Massivbau im erdberührten Untergeschoss und vorfabriziertem Holzbau mit hochisolierten Holzfassa­denelementen und Dachkonstruktion für die Obergeschosse führt zu einer wirtschaftlich wie bautechnisch optimalen Lösung. 

Im Untergeschoss werden die tragenden erdberührten Bauteile sowie die drei unverkleideten Aussenwände der Turnhalle aus Stahlbe­ton, die inneren tragenden und nichttragenden Wände aus Sichtmauerwerk ausgeführt. Darüber ist die Halle als reiner Montagebau in Holz konzipiert. Die schlanke Dachkonstruktion besteht aus einer Rippendecke aus Brettschichtholzträgern, im Abstand von 1.20 m, die mit der darüberliegenden Mehrschichtplatte zu einer statisch wirksamen Einheit verleimt werden. Die sichtbar bleibenden Deckenträger liegen direkt auf den Fassadenstützen und im Bereich des Überganges zum Zeichensaal auf einem Abfangträger in Brettschichtholz auf. Die Gebäudestabilisierung erfolgt über Diagonalverbände aus Holz, welche die Horizontallasten wie Wind und Erdbeben in die Stahlbe­tonwände abtragen. Die Aussenwände bestehen aus vorgefertigten isolierten Ständerwänden. Die Turnhallendecke wird teilweise mit einer Akustikverkleidung aus perforierten Mehrschichtplatten versehen, die geschlossenen Turnhallenwände werden mit einer offenen Bretterschalung akustisch verkleidet. Um die Dachlast möglichst gering zu halten, kommt eine besonders leichte extensive Dachbe­grünung zum Einsatz. Auf der nach Südwesten orientierten Dachfläche wird voraussichtlich eine Photovoltaikanlage durch die Elektra­genossenschaft installiert und betrieben. In diesem Bereich würde aus Gewichtsgründen auf die Dachbegrünung verzichtet. 

Gebäudehülle

Die Fassaden sind zweischichtig aufgebaut: innenseitig definieren vertikal versetzte Fensterbänder den Bezug zwischen Innen- und Aussenraum, aussenseitig bestimmt ein feines Raster vertikaler Holzleisten das Erscheinungsbild des Gebäudes. 

Das untere Fensterband ermöglicht auf drei Seiten den Einblick vom Pausen-, bzw. Sportplatz in die Halle und den Durchblick durch die Halle hindurch. Das höher gelegene Fensterband auf der Nordwestfassade hingegen gewährt eine gleichmässige, witterungsunabhän­gige Belichtung beider Hallenbereiche. Die zweiseitig angeordneten Lüftungsflügel dienen auch im Brandfall als Rauch- und Wärmeab­züge. Sämtliche Glasfronten sind mit einem wirksamen aussenliegenden Sonnenschutz ausgestattet. 

Die aussen rundherum angebrachten Holzleisten aus unbehandeltem Lärchenholz, im Abstand von zirka 60 cm, vereinheitlichen die Ge­bäudehülle und lösen das Volumen in eine filigrane Struktur auf. Bei den opaken Fassadenflächen dienen sie als Abdeckleisten der hin­terlüfteten Fassadenplatten. Die Fassadenverkleidung aus gelochten und farbig einbrennlackierten Aluminiumplatten verleiht der Fas­sade eine zusätzliche Tiefenwirkung und bringt je nach Blickwinkel die dahinterliegende farbige Fassadenschutzbahn zum Durch­schimmern. Die Textur der Latten verdichtet sich vor den Windverbänden; die Muskulatur des Gebäudes zeichnet sich durch seine Haut ab. Je nach Betrachtungswinkel und Lichtsituation prägen entweder die farbigen Fassadenplatten oder die rohbelassenen Holzleisten die Materialität der Hülle. Die warmen, gelb-roten Töne der Innen- und Aussenverkleidungen beziehen sich auf die Farbigkeit der beste­henden Bauten und des Sportplatzbelags. Die gewählten Materialien der Fassaden reduzieren den Unterhalt auf ein Minimum und ge­währen durch ihre einfache Robustheit die Langlebigkeit des Bauwerkes. 

Aussenraumsgestaltung

In erster Linie werden die bestehenden Anlagen geschützt und aufgewertet. Der gedeckte Pausenplatz vergrössert sich um die Fläche unter dem Zeichensaal und wird durch seine räumliche Lage als Verbindungsglied zwischen dem vorderen und hinteren Aussenbereich zum neuen Mittelpunkt der Anlage. Die Platzkante des heutigen Pausenplatzes bleibt weitgehend erhalten und wird neu als Sitzmauer ausgebildet. Die neue Platzeinfassung wird durch die Bepflanzung von grösseren Bäumen verstärkt. Die bestehenden Elemente wie Fahnenmasten, Findling oder Brunnen bleiben erhalten, werden aber teilweise versetzt. Durch die Verschiebung der Zufahrtsstrasse kann das Sockelgeschoss auf der Nordostseite angeböscht und begrünt werden. Als Platzbelag ist Asphalt vorgesehen, der Platz ist für die Feuerwehr befahrbar. Aus dem Zusammenspiel der gebauten und der begrünten Platzbegrenzungen entsteht ein stimmiger Aussen­raum mit hoher Aufenthaltsqualität. 

Der Sportplatz bleibt unverändert, profitiert jedoch von einem verbesserten Zugang über grosszügige Treppenstufen. Zusätzliche Syner­gien ergeben sich mit der Infrastruktur des Eingangsbereiches. Neu entsteht entlang der Südwestfassade eine Sitzstufe für die Zu­schauer als Begrenzung der Rampe. Letztere ermöglicht einen behindertengerechten Zugang der Schulanlage. Die Weiterführung der Wegverbindung nordwestlich der Halle dient auch dem Unterhalt und den Anlieferungen. Da auf der Nordwestseite keine unterirdischen Vorbauten vorgesehen sind, kann die Hanglage natürlich, mit Rücksichtnahme auf die benachbarten Wohnliegenschaften, gestaltet werden. 

Ökologie und Ressourcen

Der kompakte Baukörper mit hochgedämmter Hülle erfüllt die Voraussetzungen des Minergie-Standards mit kleinem Ressourcenaufwand. Die optimierte betriebliche Organisation durch den gewählten Standort der Doppelturnhalle ist ein langfristiger Beitrag zum nachhaltigen Bauen. 

Die neue Turnhalle wird an die bestehende Fernwärmeversorgung gekoppelt. Die Wärmeverteilung im gesamten Hallenbau erfolgt über eine Bodenheizung. Die mit Wärmerückgewinnung ausgestattete Lüftungsanlage gewährleistet eine einwandfreie Luftqualität bei minimalem Energieverlust. Sie funktioniert als Kaskadenlüftung, von der Turnhalle über die Geräte­räume zu den Garderoben, und ist für den Sportbetrieb auf 60 Personen dimensioniert. Bei gelegentlich hohem Zuschaueraufkommen wird die Belüftung manuell durch die sich öffnenden Fenster verstärkt. Geplant ist, dass eine durch die Genossenschaft Elektra finan­zierte und betriebene Photovoltaikanlage, den Beitrag des Neubaus an erneuerbaren Energien noch erhöht. 

Der Behaglichkeit der Benutzer wird insbesondere durch die raumakustischen Massnahmen und die Kontrolle der Luftströmungen Rechnung getragen. Der Aufbau der Gebäudehülle berücksichtigt nebst den ökologischen Anforderungen auch den sommerlichen Wärmeschutz. 

Brandschutz

Im bestehenden Schulhaus sind keine brandschutztechnischen Anpassungen erforderlich, die Fluchttreppe auf der Nordfassade bleibt in angepasster Form erhalten. Im Neubau sind die Fluchtwegbreiten aus der Doppelturnhalle verteilt auf vier Notausgänge auf einer maxi­malen, ausserordentlichen Personenbelegung von 400 Personen dimensioniert. Die zwei zusätzlichen Fluchttreppen aus dem Korridor des Untergeschosses ermöglichen die maximal zulässigen Längen einzuhalten. Da die Publikumsebene (Zuschauergalerie) ebenerdig liegt, werden die Sicherheitsanforderungen auch bei grösserer Belegung von bis zu 150 Personen mit einfachen Mitteln garantiert: die oberirdische Gebäudestruktur kann als eingeschossige Anlage gemäss Brandschutz-Vorschriften problemlos aus brennbaren Materia­lien und ungeschützten Bauteilen ausgeführt werden.

Bauen unter Betrieb

Aufgrund der engen Platzverhältnisse lässt sich der Rückgriff auf eine Übergangslösung für den Turnbetrieb sowie den Werkunterricht nicht vermeiden. Ein provisorischer, gesicherter Schuleingang wird auf der Nordseite der Schulerweiterung eingerichtet, da der Haupteingang der Schule während der ganzen Bauzeit nicht benutzt werden kann. 

Der Baubereich liegt auf der Schulraumabgewandten Seite des Gebäudes; Lärmimmissionen sind jedoch kaum zu vermeiden. Lärm- und verkehrsintensive Arbeiten (Abbruch, Aushub) der Anfangsphase werden deshalb in den Sommerferien 2012 ausgeführt. Im Sinne der Optimierung der Bauzeit werden die oberirdischen Bauteile möglichst vorfabriziert angeliefert und montiert, wobei der Holzbau hierzu die optimale Voraussetzung liefert. Die Eingriffe im bestehenden Schulhaus beschränken sich auf die Umnutzung des neuen Werkraums im Untergeschoss, die Umstrukturierung des bestehenden Technikraumes und den Durchbruch zum neuen Zeichensaal.